Lungenkrebs-Screening: auch Ex-Raucher haben Risiko

Deutsche Wissenschafter errechneten angepasste Früherkennungs-Empfehlungen - Gefährdung auch mehr als zehn Jahre nach Rauchstopp

Berlin/Heidelberg (APA) - Für Lungenkrebs-Screeningprogramme ist es entscheidend, die Risikogruppe an infrage kommenden Personen möglichst genau zu definieren. Das erhöht die Zielgenauigkeit der jährlichen Niedrigdosis-Computertomografie auf verdächtige Veränderungen in der Lunge und vermeidet unnötige Untersuchungen. Deutsche Wissenschafter haben das auch für Ex-Raucher berechnet.

Mit 1. April haben in Deutschland Menschen zwischen 50 und 75 Jahren mit starkem Zigarettenkonsum über 25 Jahre hinweg (zumindest 15 Pack/Years; eine Packung Zigaretten am Tag) oder Rauchstopp innerhalb von weniger als zehn Jahren Anrecht auf eine Screeninguntersuchung pro Jahr. Am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ/Heidelberg) gingen Epidemiologen aber der Frage nach, ob es sinnvoll ist, ehemaligen Rauchern, die vor weniger als zehn Jahren aufgehört haben, die Untersuchungen ab dem Alter von 50 Jahren anzubieten. Ebenfalls nicht gänzlich geklärt war, ob Menschen, die vor mehr als zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört haben, weiterhin zu den Untersuchungen veranlasst werden sollten.

Die Experten des DKFZ klärten deshalb die Frage, in welchem Alter ein starker Ex-Raucher das gleiche Lungenkarzinomrisiko erreicht wie ein aktiver Raucher mit 50 Jahren. "Für die Studie wertete das DKFZ-Team Daten der UK Biobank, einer großen britischen Personengruppenstudie, aus. Analysiert wurden 86.035 aktuelle und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 72 Jahren, die zu Studienbeginn nicht an Krebs erkrankt waren. Die ehemaligen Raucher teilte das Forschungsteam in vier Gruppen - abhängig davon, wie lange der Rauchstopp zurücklag (bis fünf Jahre, sechs bis zehn Jahre, elf bis 15 Jahre, mehr als 15 Jahre)", schrieb das Forschungszentrum in einer Aussendung.

Gefährdung mit Rauchstopp-Jahren verringert - Nicht beseitigt

Das Ergebnis: Je länger der Rauchstopp zurücklag, desto stärker war das Risiko reduziert - und desto später im Leben wurde das Referenzrisiko erreicht, zu dem statistisch möglichst passgenau die Früherkennungsuntersuchungen auf Lungenkrebs starten sollten. "Bei Personen, die höchstens fünf Jahre zuvor (mit dem Rauchen; Anm.) aufgehört hatten, lag die berechnete Risikoverzögerung bei rund 2,7 Jahren. Ein Beginn des Screenings wäre also etwa mit 53 Jahren zu empfehlen", schrieb das DKFZ.

Wer hingegen seit sechs bis zehn Jahren nicht mehr rauchte, erreichte das Referenzrisiko etwa 6,2 Jahre später, also ungefähr mit 56 Jahren. Aber selbst ehemalige Raucher, bei denen der Rauchstopp elf bis 15 oder sogar über 15 Jahre zurücklag und die nach den nun für das nationale deutsche Lungenkrebs-Screeningprogramm keinen Anspruch auf das Screening hätten, würden mit etwa 60 bzw. 67 Jahren das Risiko der starken Raucher ohne Rauchstopp erreichen, so die Wissenschafter.

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