Berlin/Wien (APA) – Deutschland hat mit Anfang April ein bundesweites Früherkennungsprogramm für Lungenkrebs eingeführt und setzt damit einen wichtigen gesundheitspolitischen Schritt gegen die tödlichste Krebserkrankung. Anspruch auf eine jährliche Untersuchung mittels Niedrigdosis-Computertomografie haben langjährige Raucherinnen und Raucher im Alter zwischen 50 und 75 Jahren mit entsprechender Rauchvorgeschichte (mindestens 15 Pack-Years). Insgesamt dürften drei bis fünf Millionen Menschen davon profitieren.
Die Untersuchung ist schnell, strahlenarm und kommt ohne Kontrastmittel aus. Ziel ist es, Lungenkrebs frühzeitig zu erkennen – denn der Zeitpunkt der Diagnose ist entscheidend für die Überlebenschancen. In Deutschland erkranken jährlich rund 58.000 Menschen an Lungenkrebs, etwa 45.000 sterben daran.
Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit solcher Screeningprogramme: Die Sterblichkeit durch Lungenkrebs kann um etwa 20 bis über 30 Prozent gesenkt werden, bei Frauen sogar noch stärker. Auch die Gesamtsterblichkeit reduziert sich um rund fünf Prozent. Analysen zeigen zudem, dass durch die CT-Untersuchungen auch andere Erkrankungen – etwa der Herzkranzgefäße – früher erkannt werden können.
Langfristig könnten durch die Früherkennung nicht nur Leben gerettet, sondern auch Kosten gesenkt werden, da teure Behandlungen in späten Krankheitsstadien vermieden werden.
Langjährige Forderung in Österreich
In Österreich ist die Situation epidemiologisch ähnlich: Jährlich erkranken rund 5.000 Menschen an Lungenkrebs, etwa 4.000 sterben daran. Die Erkrankung ist die häufigste krebsbedingte Todesursache und fordert mehr Opfer als Brust-, Prostata- und Darmkrebs zusammen. Dennoch gibt es bislang kein nationales Screeningprogramm.
Expertinnen und Experten kritisieren seit Jahren diesen Rückstand. Derzeit werden rund 75 Prozent der Fälle erst in fortgeschrittenen, nicht mehr heilbaren Stadien diagnostiziert. Nur etwa 20 Prozent werden früh erkannt. Dabei könnten Screeningprogramme den Anteil früher Diagnosen deutlich erhöhen – internationale Programme erreichen bis zu 80 Prozent Frühstadien, in denen die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei etwa 80 Prozent liegt.
Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Laut Studien kann die Gesamtsterblichkeit durch Screeningprogramme um bis zu 48 Prozent und die Lungenkrebssterblichkeit um bis zu 45 Prozent gesenkt werden. Dennoch fehlt es in Österreich an konkreten Umsetzungsschritten, obwohl die potenzielle Zielgruppe mit rund 600.000 Personen deutlich kleiner wäre als in Deutschland.
Auch ökonomisch wäre ein Programm sinnvoll: Für einen Bruchteil der derzeitigen jährlichen Therapiekosten von 300 bis 500 Millionen Euro ließe sich ein Screening etablieren, das mittelfristig sogar Einsparungen bringen könnte.
Während viele EU-Staaten bereits Programme eingeführt haben, sehen Fachleute Österreich zunehmend im Hintertreffen. Sie fordern ein rasches Handeln, um die Chancen der Früherkennung auch hierzulande zu nutzen – ergänzend zur wichtigsten Präventionsmaßnahme: dem Rauchverzicht.
Autoren:
ww/kra | APA0010 2026-04-15/05:01
ww/af | APA0076 2026-03-12/08:49

